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It is the lack of self-denial and self-discipline that explains the mediocrity of so much devotional art. Thomas Merton

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Beat Rink - Kunst aus christlicher Sicht

Kunst aus christlicher Sicht

durch Beat Rink
 
Vorbemerkung
Viele christliche Gemeinden haben in den letzten Jahren die Bedeutung verschiedener Kunstformen entdeckt – über die bisher gepflegte Orgelund Anbetungsmusik hinaus. Dies trifft zumindest auf protestantische Gemeinden zu, während die katholische und auch die orthodoxe Kirche den Künsten seit jeher einen etwas anderen, zuweilen höheren Stellenwert beimessen.
 
Diese Neuentdeckung in protestantischen Landes- und Freikirchen ist vielfach begrüsst worden, aus verständlichen Gründen nicht zuletzt von den Künstlern selbst. Gleichzeitig wurde von Gemeindeleitern und – gliedern oft der Wunsch geäussert, sie an ein tieferes Verständnis für das Phänomen „Kunst“ heranzuführen.
 
Auf der Seite christlicher Künstler sind seit den 1980er Jahren in verschiedenen Ländern neue Initiativen entstanden, meist in Form überkonfessioneller Bewegungen. So auch in der Schweiz, wo zudem 2005 Arts+ gegründet wurde, ein Zusammenschluss christlicher Kulturinitiativen.
 
Die in solchen Künstlerbewegungen und – Netzwerken geführten Diskussionen kreisen um Themen wie das „Selbstverständnis (und die Lebenswirklichkeit) christlicher Kulturschaffender“, „Ästhetik und Theologie“, „Ethik und Kunstbetrieb“ – oder allgemein: „Reich Gottes und Kultur“, und damit immer wieder um das Verhältnis von „Kunst und Kirche“. Dabei zeigt sich ein gewisser Nachholbedarf an denkerischer, vorab theologischer Durchdringung der Materie.
 
Die vorliegende Stellungnahme versteht sich als skizzenhafter und vorläufiger Versuch, verschiedene Fazetten des grossen Themas „Kunst“ (mit diesem Begriff sind immer alle Kunstsparten mitgemeint) zu beleuchten und immer auch die christliche Sicht einzublenden. Die Vielzahl von Einzelthemen wird in drei Bereiche gruppiert: „Kunst und Gesellschaft“ – „Kunst und Individuum“ – „Kunst und Kirche“. Dass viele Fragen nicht angesprochen werden und andere mehrfach auftauchen und so für Überschneidungen zwischen den Kapiteln sorgen, liess sich nicht vermeiden. „Es ist eine Kunst, sie zu definieren“, schrieb der polnische Aphoristiker Stanislaw Jerzy Lec. Der Satz hat etwas Tröstliches, verweist er uns doch von Vorneherein auf die Unmöglichkeit, das Schöpferische anders zu verstehen denn als eine aus Gott kommende, sich allem verstandesmässigen Zugriff entziehende Gabe.
 
 
A. Kunst und Gesellschaft
 
1. Der heutige Kunst-Boom
Ausgangspunkt unserer Überlegungen ist eine Beobachtung: Kunst ist in unseren westlichen Ländern ein zunehmend wichtiger Faktor des gesellschaftlichen Lebens, wie die wachsende Bedeutung von U-Musik1, Design2, Fashion3 oder Film zeigt. Unser Lebensgefühl ist weitgehend ästhetisch geprägt – oder anders gesagt: Wie nie zuvor durchdringt künstlerische Gestaltung all unsere Lebensbereiche und appelliert dort (nicht zuletzt um der Verkäuflichkeit eines Produktes willen) an unser Schönheitsempfinden. Dem entspricht, dass auch der Kunstmarkt boomt – selbst in wirtschaftlich weniger rosigen Zeiten. Kulturelle Grossanlässe ziehen Massen an, seien es Popkonzerte, Filmfestivals oder Museumsnächte. Die Medien widmen sich ausgiebig dem Thema „Kunst und Kultur“. Und schliesslich hat auch die Kulturpolitik an Bedeutung zugenommen: Kein ernstzunehmendes Parteiprogramm wird sich der Kulturpolitik verweigern. Die Gründe für diesen Kunst-Boom sind vielfältig:
 
Gründe für den Boom:
1. Ökonomische Gründe: Je wohlhabender eine Gesellschaft, desto intensiver das ästhetische Lebensgefühl und desto vielfältiger das kulturelle Angebot. Kunst ist zudem eine Kapitalanlage und Kultur eine Gelegenheit für Sponsoren, Marketing zu betreiben.
 
2. Soziologische Gründe: Der Künstler geniesst einen Status, den früher andere Berufsgruppen – darunter auch Geistliche – innehatten. Die boomende Kunstszene bietet sich zudem als gesellschaftliche Begegnungs-Plattform an.
 
3. Weltanschauliche Gründe: Der postmoderne Mensch ist allen überkommenen ideologischen Konzepten“ und Sinnangeboten gegenüber skeptisch und deswegen empfänglich für Impulse aus einer Richtung, die für ihn nicht unter Ideologieverdacht steht. Es gehört nämlich zu den Kennzeichen der Kunst (oder den Vorurteilen ihr gegenüber), dass sie als grundsätzlich ideologiekritisch gilt. Allerdings: Auch wo sie nicht sinn-stiftend wirkt, bietet sie ihren Geniessern doch einen Ort des „Schönen, Wahren und Guten“4 und damit eine „ästhetische Heimat“ an. Die säkulare Kunstszene kann dann fast religiöse Züge annehmen; sie steht damit in einer langen, vor allem aus der Romantik kommenden Tradition.
 
4. Psychologische Gründe: Der Mensch sucht nach ganzheitlichen Erlebnissen – oft als Ausgleich zum Arbeitsplatz, wo seine Persönlichkeit auf Funktionalitäten reduziert wird. Solche ganzheitliche Erlebnisse findet er oft in der Freizeit – und das heisst auch in der Kunst.
 
Der Kunstboom aus christlicher Sicht
Das steigende Interesse an den Künsten ist grundsätzlich zu begrüssen. Kunst ist für den Christen eine Gabe Gottes und eine „ebenbildliche“, auf den göttlichen Schöpfer  zurückverweisende Fähigkeit des Menschen. Mit ihrer ästhetischen Gestalt (aisthesis = urspr. Wahrnehmung) spricht Kunst die Sinne an. Mit ihrer „Schönheit“ rührt sie an unser innerstes, danach verlangendes Empfinden. Das dadurch entstehende ganzheitliche Erleben bildet gegenüber aller materialistischen oder intellektualistischen Verkürzung des Menschenbildes ein wichtiges Gegengewicht.5
 
Dass Kunst im Prozess der Säkularisierung die Kirchen-Bindung verloren und oft selbst religiösen Charakter angenommen hat, ist von christlicher Seite nicht nur kritisch, sondern auch selbstkritisch zu betrachten: Zwar ist die Kirche für viele Künstler über Jahrhunderte hinweg ein wichtiger Auftraggeber und eine geistliche Heimat gewesen. Aber auf der anderen Seite wurden im Namen einer engen Dogmatik immer wieder künstlerische Freiheiten beschnitten. Künstler wanderten aus der Kirche aus, ohne dass die Kirche sich um sie bemüht und zum Dialog eingeladen hätte. Der im säkularen (und manchmal sogar im liberal-kirchlichen) Raum entstehenden „Kunst-Gemeinde“ hatte man meist nur eine amateurhafte „Gemeinde-Kunst“ entgegenzusetzen, was die Entfremdung zwischen Kunst und Gemeinden nur noch verstärkte (s. Abschnitt C).
 
Neben vielen positiven Auswirkungen hat der Kunst-Boom dort problematische Folgen, wo das Kunstschaffen (und die Künstler selber) unter den Zwängen des „Kunst-Marktes“ stehen. Diese Zwänge können z.B. bereits in den Ausbildungsstätten ein psychisch belastendes und kreativitäts-hemmendes Konkurrenzklima produzieren. Neuere Studien beweisen, dass z.B. immer mehr Orchestermusiker und Opernsänger dem Berufsdruck nur mit Dopingmitteln standhalten können.
 
2. Die gesellschaftliche Funktion von Kunst
In der westlichen Welt (um sie soll es hier vor allem gehen) nimmt Kunst seit langem wichtige gesellschaftliche Funktionen wahr. Der oben angesprochene Kunst-Boom muss mit diesen Faktoren zusammen gesehen werden. Hier seien einige genannt:
 
1. Kunst als geistesgeschichtlicher Faktor: Kunst – vorab Literatur, Musik, Bildhauerei, Architektur und Malerei – ist seit der Antike ein wichtiger Faktor der abendländischen Geistesgeschichte. Künstler sind oft Wegbereiter neuer Denk-Strömungen und Lebensentwürfe, indem sie Anstösse zur Wahrheitsfindung geben. Kaum eine Epoche lässt sich ohne den wichtigen Beitrag der Künste denken. Wie immer man die jeweilige Wechselwirkung zwischen Kunst und Philosophie bzw. zwischen Kunst und anderen gesellschaftlichen Kräften (Ökonomie, Politik, den Wissenschaften usw.) definiert: Die Künste sind ein Katalysator und manchmal sogar ein Motor geistesgeschichtlicher und indirekt auch gesellschaftlicher Entwicklungen. Dies gilt selbst dort, wo Kunst zunächst nur von kleinen, dafür einflussreichen Gruppen aufgenommen wird. Die These vom „absinkenden Kulturgut“ spricht von der längerfristigen Bedeutung wegweisender Kunstwerke auch für weitere Kreise.
 
2. Kunst als Kult: Jede Religion kennt den künstlerischen Ausdruck. Auch in heidnischen Kulten wurde (und wird) getanzt, musiziert, Theater gespielt oder gemalt. Kunst will Unsichtbares (bzw. Geglaubtes) sichtbar, hörbar und irgendwie erfahrbar machen. Ihre Eigenschaft, etwas in verdichteter Form darzustellen, kommt seit den Höhlenmalereien dem kultischen und magischen Denken entgegen.
 
3. Kunst als gemeinschaftsstiftender Faktor: Der Kunstgenuss führt Menschen zusammen: in Konzerten, Theatern, Museen, Kinos. Er bildet einen wichtigen Teil der gemeinschaftlichen Freizeitgestaltung. Künste können identitätsstiftend wirken: Man denke an Nationalepen, Landeshymnen, Volkslieder und andere zum Kulturgut eines Volkes oder einer gesellschaftlichen Gruppe (inkl. einer Religionsgemeinschaft) gehörende Werke.
 
4. Kunst als Ort der Wahrnehmung und Reflektion: Es gehört zum Wesen der Kunst, dass sie die Wahrnehmung schärft und zu neuen Seh-, Hör- und Denkweisen einlädt. Die Provozierung alter Seh- oder Hörgewohnheiten wurde (und wird) allerdings oft als Beleidigung der Tradition und als Aufstand gegen das Überkommene gedeutet.
 
5. Kunst als Ort der Bildung: Die Bewahrung, das Vorzeigen und Neu-Interpretieren alter Werke schärft den Blick für die Vergangenheit. An Kunstwerken lässt sich ablesen, woher eine Gesellschaft kommt, was ihre Identität lange Zeit geprägt hat oder was sie immer noch (zumindest untergründig) prägt. Kunst fordert heraus, diese Identität kritisch zu prüfen. Nicht zuletzt deshalb ist die Beschäftigung mit Kunst in bestimmten Bereichen der Gesellschaft, vorab in der Schule, von zentraler Bedeutung. Gute Kunst trägt auch sonst zur „Bildung“ bzw. zu einer „Sittlichkeit“ im weitesten Sinn bei.
 
6. Kunst als Gestalterin des öffentlichen Raums: Kunst trägt Schönheit in den öffentlichen Raum. Wie sich ohne gute Architektur kein schöner Lebensraum denken lässt, ist eine Gesellschaft ohne ein in verschiedenen Lebensbereichen wirksames Kunstschaffen nicht vorstellbar.
 
Die gesellschaftliche Bedeutung aus christlicher Sicht:
In christlichen Kreisen wurde die tiefe Entfremdung zwischen der Kirche und der Kunstund Kulturwelt zu wenig zur Kenntnis genommen. Antisäkulare Reflexe erschwerten zusätzlich das Nachdenken über die gesellschaftsrelevante Rolle der Künste (s. Punkt 1). Dabei ist gerade der christliche Glaube ein idealer Nährboden für das Gedeihen der Künste. Wie ist das zu verstehen? Obwohl keinesfalls ein genereller Zusammenhang zwischen künstlerischer Leistung und individuellem Glauben behauptet werden darf, kann mit Emil Brunner gesagt werden, dass „eine Welt, eine Gesellschaft, in der der religiöse Glaube erstirbt, mit der Zeit auch einen künstlerischen Verfall erleben wird.“ Denn: Es „wird keine Kunst mehr gedeihen können in einem human verdorrten Erdreich. Wo Menschen keiner grossen Gefühle mehr fähig sind, wo ihr geistiger Horizont jede Weite der Unendlichkeit verloren und wo ihr Lebensverständnis aller metaphysischen oder religiösen Tiefe bar geworden ist“, wird Kunst oberflächlich und verkommt zur Virtuosität.
 
In einer christlich geprägten Gesellschaft ist die freie Entfaltung der Künste besonders gut möglich. Denn nur das christliche Abendland kennt schliesslich die Trennung von säkularem und religiösem Raum – bei aller wechselseitigen Beeinflussung und gelegentlichen Durchdringung der „zwei Reiche“.7 So wie die Naturwissenschaft nur im Kontext eines Glaubens möglich ist, der keine Natur-Götter kennt, kann sich auch Kunst nur dort frei entwickeln, wo sie von allem Kult-Charakter entbunden ist. Obwohl eingeladen, im Raum der Kirche zu wirken, muss sie nicht selber zum „Kult“ werden und keine „kultisch-magische“ Funktion wahrnehmen (s. Punkt 2). Künstler werden dann weder in der Kirche noch im säkularen Raum mit „religiösen“ Weihen umgeben und geraten nicht unter den Erwartungsdruck, „moderne Propheten oder Priester“ sein zu müssen.8 Ein gesunder, unreligiöser Umgang mit Kunst ist also nur in einem Umfeld möglich, wo jede falsche Verflechtung von „Reich Gottes“ und „säkularem Raum“ aufgehoben wird.9
 
Gewinnt die christliche Seite Einsicht in solche Zusammenhänge, könnte sie die Kunst gerade im Namen des Glaubens gegen religiöse oder ideologische Vereinnahmung verteidigen.  Solche Vereinnahmungstendenzen gibt es besonders dort, wo Kunst identitätsstiftend wirken soll (Punkt 3). Ethisch droht ihr dann im schlimmsten Fall die Bindung an falsche Mächte und ästhetisch der Absturz in den Kitsch (als Konzession an den Gemeinschaftsgeschmack) bzw. in die platte Propaganda.10
 
Neue Wege (Zu Punkt 4): Der Kunst muss das Recht zugestanden werden, neue Wege zu gehen. Der christliche Glaube weiss ja um die Tatsache geschichtlichen Wandels und kennt deshalb auch den Kulturauftrag der Kunst11. Zu diesem Kulturauftrag gehört, dass Kunst eingeschliffene Denk- und Wahrnehmungsweisen aufbricht. Dies gilt selbst für biblische Glaubensinhalte, zu denen sich jede Epoche und jede Generation auf eigene Weise neuen Zugang verschaffen muss. Insofern darf sakrale (d.h. thematisch „christliche“ Kunst) auch provozieren, wenn es ihr um die Freilegung von Glaubensinhalten geht.
 
Allerdings besteht die Gefahr, dass Kunst sich in der Rolle der Provokateurin gefällt, weil darin ein Erfolgs- und Marktpotenzial steckt. Auch in diesem Zusammenhang ist das neuzeitliche Verständnis von künstlerischer „Originalität“ zu hinterfragen, das sich ebenso aus dem idealistischen Genie-Kult wie aus dem Konzept der künstlerischen „Autonomie“ und Ungebundenheit herleitet. Die Sucht nach „genialischer“ Originalität treibt in der Kunstszene bisweilen bizarre Blüten. Im Namen der „künstlerischen Autonomie“ wird in manchen Kunstsparten mit Lust ein konstanter Tabubruch begangen, wie er im öffentlichen Raum ohne künstlerischen Anspruch längst straffällig wäre.
 
Hier ist eine differenzierte theologische Sichtweise gefordert: Zum einen soll Kunst nicht zensiert werden, es sei denn, sie rufe bewusst zur Störung des sozialen Friedens auf, sie agiere rassistisch oder verletze in massiver Weise religiöse Gefühle. Jedem Ruf nach Zensur muss entgegen gehalten werden, dass Kunst sich grundsätzlich in einem „fiktiven Raum“ bewegt, in einem „Spiel“ mit verschiedenen „Rollen“ und „Stimmen“, die nicht ohne Weiteres mit der Realität und mit der Meinung des Künstlers identisch sind. Also ist sorgfältige Interpretation angesagt! Zum anderen ist an die Selbstverantwortung der Künstler zu appellieren. Das moderne Autonomieverständnis nimmt bisweilen mit dem Dichter Charles Baudelaire für sich in Anspruch, das Genie dürfe (nein: müsse!) sich über alle sozialen und moralischen Schranken hinwegsetzen – alles, was der Kunst diene, sei erlaubt. Auch die Aussagen des katholischen Theologen Hans Küng sind zu diskutieren, wenn er eine „autonome, keiner Autorität und Herrschaft (ausser der ästhetischen) verpflichtete Literatur“ fordert. Dies steht in einer Spannung zu einem Denken, das letztlich keinen Bereich von der Gottesbeziehung und seiner Herrschaft ausklammern kann. Zumindest christliche Künstler werden keinen solchen absoluten Autonomieanspruch erheben.
 
Erziehungsaufgabe (zu 5 und 6): Zweifellos ist Kunst eine wichtige Quelle für geschichtliches Wissen und für das Verständnis unserer Kultur. Inwiefern trägt sie aber zur „Sittlichkeit“ bei? Diese Frage beschäftigt Denker und Dichter seit Jahrhunderten. Wollte Platon die  „wahnsinnigen“ Dichter aus seinem Idealstaat verbannen, so meinte über zweitausend Jahre später Friedrich Schiller: Kunst versetze den Menschen in einen solch einzigartigen „ästhetischen“ Zustand, in dem allein die freie Entscheidung für das Gute möglich sei. Denn „hier allein fühlen wir uns wie aus der Zeit gerissen; und unsere Menschheit äussert sich in einer Reinheit und Integrität, als hätte sie von der Einwirkung äusserer Kräfte noch keinen Abbruch erfahren“ („Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen“). Zwischen den zeitlich und inhaltlich weit auseinander liegenden Geistesgrössen Plato und Schiller – und natürlich weit über den letzteren hinaus – wird dieses Thema intensiv debattiert. Dabei findet Schillers Idealismus auch heute noch Nachkommen! Das christliche Kulturverständnis kann sich ihm nicht anschliessen. Denn es weiss um die tiefe Gefallenheit des Menschen, der kein noch so erhabener Kunstgenuss beikommt. Christen werden in diesem Zusammenhang eher Dietrich Bonhoeffer beipflichten, der in "Widerstand und Ergebung" unter dem Stichwort "Qualitätsgefühl" schreibt: "Es geht auf der ganzen Linie um das Wiederfinden verschütteter Qualitätserlebnisse, um eine Ordnung auf Grund von Qualität. Qualität ist der stärkste Feind von Vermassung. Gesellschaftlich bedeutet das den Verzicht auf die Jagd nach Positionen, den Bruch mit allem Starkult, den freien Blick nach oben und nach unten, besonders was die Wahl des engeren Freundeskreises angeht, die Freude am verborgenen Leben wie den Mut zum öffentlichen Leben. Kulturell bedeutet das Qualitätserlebnis die Rückkehr von Zeitung und Radio zum Buch, von der Hast zur Musse und Stille, von der Zerstreuung zur Sammlung, von der Sensation zur Besinnung, vom Virtuosenideal zur Kunst, vom Snobismus zur Bescheidenheit, von der Masslosigkeit zum Mass. Quantitäten machen einander den Raum streitig, Qualitäten ergänzen einander." Diese Sätze sind nicht auf die Kunst bezogen, doch sind sie auch im Blick auf unser Thema relevant. Kunst, so lässt sich daraus ableiten, bietet ein Qualitätserlebnis und damit einen Ausweg aus einer ungesunden Lebenseinstellung. Es ist aber nicht das ästhetische Erlebnis selbst, sondern das Mitwirken des eigenen Willens, das die erhofften Früchte hervorbringt.
 
Damit ist etwas Wichtiges gesagt: Die Wirkung von Kunst – eben auch ihre ethische Wirkung – wird entscheidend vom Rezipienten12 mitbestimmt. Dies wird auch im Blick auf Kunst mit geistlicher Thematik, insbesondere auf Kunst in der Kirche gelten, wo die Erwartungshaltung des gläubigen Rezipienten mitwirkt. Dieser will das Kunstwerk ja nicht als solches geniessen, sondern er trägt an die Kirchenmusik, an das Altarbild oder an die Glasscheibe eine Bereitschaft zur Kontemplation und zur Gottesbegegnung heran.
 
Wie wirkt Kunst auf den einzelnen Menschen? Die vorherigen Abschnitte haben da und dort diese bereits Frage gestreift und Antworten angedeutet. Doch könnte man ebenso gut an einem anderen Punkt ansetzen und fragen: Warum gibt es überhaupt Kunst? Welchen Bedürfnissen kommt es entgegen, dass Menschen zu allen Zeiten Kunst hervorgebracht haben? Verschiedenste Wissenschaftszweige wie Philosophie, Psychologie, Theologie und natürlich die Kunst- und Kulturwissenschaften haben intensiv darüber nachgedacht – und nicht zuletzt auch die Musiker, Dichter, Maler oder Filmemacher selber. Jede Antwort ist vom dahinter stehenden Menschenverständnis geprägt. Es geht hier keineswegs um eine vollständige Nennung der verschiedenen Ansichten, sondern nur um jene, die die christliche Sicht besonders unterstreichen oder – nicht weniger interessant! – sie herausfordern.
 
 
B. Kunst und Individuum: wie wirkt Kunst auf den Menschen?
 
1. Kunst stillt den Wunsch nach Schönheit. Schönheit hat auch mit „ästhetischer Ordnung“ zu tun. Diese kann heilend wirken (z.B. in der Musiktherapie).
 
2. Kunst dient dem „delectare“13, also der Freude und der Entspannung. Ein heute oft gehörtes Wort lautet: Es geht nicht mehr um die Frage, welches Buch wir auf eine Insel mitnehmen; ein gutes Buch ist eine Insel. Schon das blosse Eintreten in den anderen „Raum“ der Musik, des Films, der Dichtung oder der Malerei löst das Denken und Fühlen von den (vielleicht drückenden) Alltagserfahrungen und ist darin dem Spiel verwandt. Gesteigerte Freude und Entspannung wird etwa durch den Einsatz verschiedener Formen des Humors bzw. der „leichten Muse“ erreicht (Satire, Schwank, Operette, Musical, Parodie – bis hin zur dadaistischen Blödelei) oder durch den Auf- und Abbau von Spannung in einer packenden Geschichte.
 
3. Kunstgenuss als Reinigungs- und Befreiungsvorgang: Aristoteles spricht in seiner berühmten Poetik von der reinigenden Wirkung (= Katharsis) der Tragödie. Diese setzt dort ein, wo Furcht und Mitleid erregt werden; salopp gesagt: Wo die Zuschauer Gänsehaut und nasse Taschentücher bekommen. Nach Sigmund Freud entsteht Kunst aus einem Sublimierungsvorgang, der seine Kraft aus der Umwandlung triebhafter Impulse gewinnt und der auch den Kunstbetrachter erfasst. Moderne Psychologen14 meinen, dass wir den ambivalenten (=mehrdeutigen) Charakter der Kunst schätzen, weil wir darin die Ambivalenz des eigenen Lebens wieder erkennen und darin etwas Befreiendes erfahren.
 
4. Kunst als Problemlösungs-Angebot und Ort der Wahrheitssuche: Andere Psychologen15 sehen Kunst in erster Linie als „Problemlösungs“- Angebot, das dem Menschen hilft, eigene Lösungsansätze zu entwickeln. Viele Aussagen über Kunst stimmen darin überein: Jedem grossen Werk ist das Leiden an der Wirklichkeit und die Suche nach Wahrhaftigkeit – meist auch nach der letzten Wahrheit – abzuspüren.
 
Dazu einige weiterführende Bemerkungen:
1. Das künstlerische Ringen um „Wahrheit“ lässt sich nicht trennen vom Ringen um die richtige Form. Nicht selten tritt dieses (scheinbar) in den Vordergrund. Man erlebt den Künstler dann als einen Menschen, der sich verbissen einer bestimmten, vordergündig nebensächlichen Sache widmet und gegen jede Mahnung, sich doch „wesentlicheren Dingen“ zuzuwenden, resistent ist. Hier ist zu bedenken: Der Künstler stellt sich der Aufgabe, die erkannte Wahrheit nicht nur zu „nennen“, sondern ihr in einem neuen, noch nie da gewesenen Werk – und das heisst auch: in einer neuen Sprache, in einer neuen Musik, in einer neuen Farbe, Figur oder Bewegung – Gestalt zu geben.
 
2. Diese Nachgestaltung, will sie nicht Kopie sein, ist originärer Ausdruck einer individuellen Kunstlerpersönlichkeit, die die Welt in einer ganz bestimmten Weise wahrnimmt und deutet. Dieses „neue“ Werk mutet dann dem Zuhörer oder Zuschauer zu, sich auf eine eigene Entdeckungsreise in ein kleines „Universum“ zu begeben.
 
3. Indem solchermassen „authentische“ und „wahrhaftige“ Kunst sinnlich erfahrbar ist und sich nicht nur an den Intellekt wendet, wirkt sie in ihrer Ganzheitlichkeit bis in die tiefsten seelischen Schichten hinein: sie ergreift und bewegt, sie erfreut und erschüttert, sie feiert und sie tröstet.
 
Christliche Sicht:
Schönheit (zu 1): Das Streben nach „Schönheit“ ist eine Grundkonstante des Mensch-Seins. „Schönheit“ gehört zu den zentralen Wesensmerkmalen der Kunst. Der Begriff gilt in der heutigen Kulturdiskussion allerdings als überholt, weil er zu unscharf und für die Bestimmung der künstlerischen Qualität zu unwichtig sei. Denn zum einen ist das Schönheitsverständnis dem geschichtlichen Wandel unterworfen. Zum anderen gibt ja auch eine „Ästhetik des Hässlichen“ – zum Beispiel in der künstlerischen Darstellung des Bösen. Das heisst: In einem grossen Kunstwerk kann das „Hässliche“ überwiegen, während in einem weniger gelungenen Werk das „Schöne“ vorherrscht. Gerade dem christlichen Kunstkenner ist diese Differenzierung vertraut: Die Darstellung des Kreuzes kann niemals „schön“, sollte aber trotzdem künstlerisch hochwertig sein.16
 
Trotzdem: „Schönheit“ ist eine wichtige theologische und ästhetische Kategorie. Gottes Wesen und Handeln lässt sich nicht ohne „Schönheit“ (oder „Herrlichkeit“17) denken. Dabei ist „Schönheit“ in der Bibel – von der Schöpfung bis zum neuen Jerusalem – nie „l’ art pour l’ art“, sondern Ausdruck der Liebe.18 Die Bestimmung der „Schönheit als Gestalt gewordene Liebe“19 wäre gerade in der heutigen Zeit mit ihren Tendenzen zum selbstgefälligen Ästhetizismus wichtig.
 
Freude und Entspannung (zu 2): Auch „Freude“ ist eine zentrale christliche Kategorie. Aber leider war gerade der christlichen Kirche die „leichte Muse“ über lange Zeit suspekt.20 Das „Delectare“ hatte in ihr kaum Platz, ganz entgegen der Botschaft des Eu-angellions (eu = froh)! Umso mehr ist dem Theologen Hemut Thielicke zuzustimmen, wenn er in seiner „Ethik“ im Blick auf die Kunst meint: "Weil für uns gesorgt ist, weil wir behütet sind, weil der andere Tag unserer Sorge entnommen ist, dürfen wir "heute" spielen, dürfen wir ‚einen Augenblick’ ‚dem Augenblick’ gehören, ohne krampfhaft auf den diesen Augenblick transzendierenden Zweck zu stieren." In der spielerischen Freiheit ist zugleich ein "neuer Entwurf" möglich: Sowohl auf der Seite des Künstlers, der Visionäres denken kann, als auch auf der Seite des Empfängers, der nun, in seiner Phantasie angeregt, seine eigene Realität nicht mehr als starres Lebensgefüge, sondern als veränderbar erlebt. Kunst lässt ohnehin (wie das Spiel) „offene Prozesse“ zu, an denen sich der Kunstinteressierte beteiligen kann.21 Aus christlicher Sicht ist diese Freiheit und damit auch das Vorrecht des Künstlers, zweckfrei und „unökonomisch“ zu schöpfen (und darin unterstützt zu werden), zu begrüssen und bis in die Kulturpolitik hinein zu verteidigen (dies auch zu Punkt 4). Allerdings hätte eine christlich begründete Kunstauffassung, sich gerade dem „Delectare“ nicht verschliesst, alles Recht, die Niveaulosigkeit und moralische Dekadenz anzugreifen, wie sie (etwa mit den Comedy-Shows) täglich in unsere Wohnzimmer schwappt.
 
Befreiung und Wahrheitssuche (zu 3 und 4): Die genannten Theorien zur Entstehungs- und Wirkungsweise der Kunst sind hier nicht zu erläutern. In der heutigen Diskussion wird allerdings deutlich, dass die christliche Sichtweise weitgehend fehlt; dass zum Beispiel die Möglichkeit einer „Inspiration“ ganz ausgeklammert wird. Weshalb wäre diese christliche Sichtweise wichtig? Es ist offenkundig, dass jede Theorie auf das Selbstverständnis des Künstlers zurückwirkt. Um ein Beispiel zu nennen: Die jahrhundertealte Meinung, das künstlerische Genie müsse entweder nah am Wahnsinn oder zumindest aus tiefer biographischer Tragik heraus ein Werk schaffen, hat in verhängnisvoller Weise auf das Lebenskonzept vieler Künstler zurückgewirkt22. Umso wichtiger ist, dass andere Künstler den Gegenbeweis antreten und aufzeigen: Nicht jedes Werk, das von Leid und Ungerechtigkeit spricht und um die Wahrheit ringt – und somit auch intensiv um die richtige Formgebung – hat die persönliche Verzweiflung seines Schöpfers zur Voraussetzung. Dahinter kann auch eine christliche Haltung stehen. Dem Christen ist die Solidarität mit den Leidenden ohnehin aufgetragen. Sein radikaler gestalterischer Einsatz kann also gerade Ausdruck der Nächstenliebe sein – wie auch der Liebe zu Gott, der nur mit bester künstlerischer Qualität (und das heisst eben: mit oft mühsam errungener Qualität) geehrt werden soll. Allerdings: Wo der Christ leidvolle Wirklichkeit gestaltet, darf nicht vergessen werden, dass seine Existenz von einer letzten Hoffnung bestimmt ist, die auch unweigerlich sein Werk prägen wird.
 
Eine andere Tendenz heutiger Kunst ergibt sich aus dem neuzeitlichen Individualitätsbewusstsein. In (4) ist die Rede von einer individuellen Komponente, die jeder guten Kunst eignet. Diese kann sich jedoch mit einem übersteigerten Individualitätsbewusstsein und Originalitätswillen verbinden – oder mit einer radikalen Verzweiflung an der überkommenen „Sprache“, die dem inneren Erleben des Künstlers nicht mehr gerecht wird. Dann droht Unverständlichkeit: Der Künstler spricht eine so individuelle Sprache, dass die Kommunikation mit dem Betrachter, Leser oder Zuhörer massiv irritiert ist.23 Zusammen mit demmodernen (und auch postmodernen) Hang zur Ich-Kultur ist diese Tendenz von christlicher Seite her zu hinterfragen.
 
 
C. Kunst und Kirche
 
1. Berührungspunkte von „Kunst und Religion“
Zwischen Kunst und Religion gibt es nicht nur im Christentum viele Berührungspunkte. Ohne Kunst lässt sich kein Kult, kein Gottesdienst und keine christliche Kirchengeschichte denken. Umgekehrt kann der Dirigent Nikolaus Harnoncourt sagen: „Ich glaube, dass es überhaupt keinen Künstler gibt, der nicht gläubig ist. Nicht unbedingt im konfessionellen Sinne. Ich kann mir keinen wirklich bedeutenden Künstler denken, der tatsächlich glaubt, dass er seine überragenden Fähigkeiten sich selbst zu verdanken hat.“24
 
Um einige dieser Berührungspunkte zu nennen: Kunst und Religion sind Gemeinschafts-stiftend. Kunst und Religion haben die „innere Wirklichkeit“ und die „verborgene Wahrheit“ zum Thema. Wo sie hingegen primär auf äussere Wirkung bedacht sind, verleugnen sie ihr Wesen. Kunst und Religion sind ganzheitlich und vermitteln darum mehr als eine rein denkerisch erfassbare Wahrheit. Niemand geht in eine Kirche, in ein Konzert oder ein Museum, nur um intellektuell zu „verstehen“. Dem entspricht, dass Kunst und Religion mit Inspirationsquellen rechnen, die ausserhalb der eigenen Verfügbarkeit und Verstehbarkeit liegen. Sie sind offen für Geistiges bzw. direkt oder indirekt für den Geist Gottes.
 
2. Berührungspunkte von „Kunst und christlichem Glauben“
Es gibt auch Berührungspunkte zwischen (guter) Kunst und dem christlichen Glauben, unabhängig davon, dass sie von einem Christen geschaffen wurde oder nicht: Kunstschaffende wissen ohnehin um den inneren Zusammenhang von Liebe und Schönheit.25 In beiden Bereichen tritt das „Allgemeine“ hinter dem „Einzelnen“ zurück: Die göttliche Liebe schafft Einzigartiges26 und wendet sich zuerst dem Einzelnen zu. Jedes Kunstwerk ist ein Unikat und schärft den Blick für das Individuelle und Besondere.27 Liebe und Schönheit wissen um das Geheimnis des „Inkarnatorischen“: Dass der Geist erfahrbare Gestalt annimmt. Beide sind auf die Neu-Schöpfung und das Neu-Schaffen ausgerichtet.
 
3. „Kunst und Kirche“
a. Kunst im Dienst der Kirche
Der Blick in die Kunst- und Kirchen-Geschichte zeigt: Kunst bringt Schönheit hervor und kann damit auf wunderbare Weise Gott loben und ins Gotteslob hineinführen. Denken wir an die Musik Bachs! Kunst kann, ohne manipulativ zu wirken, die biblische Botschaft auf interessante Weise darstellen und zum Nachdenken und Glauben anspornen. Denken wir an meisterliche Gemälde von Rembrandt bis Chagall! Denken wir an C.S. Lewis! Kunst kann helfen, sich zu sammeln und auf Gott auszurichten. Denken wir an die Architektur meditativer Kirchenräume! Kunst kann uns in Tiefenschichten berühren und uns dort für das Wirken des Heiligen Geistes empfänglich machen. Denken wir an Davids Harfenspiel! Kunst kann die Kirche im Dialog mit der Welt sprachfähig machen. Kunst kann schliesslich die Kirche aufrütteln und wegweisend in die Zeit hineinsprechen.
 
Die Kirche könnte dieses wertvolle Erbe pflegen und den Einsatz der Künstler (und Kulturvermittler) in ihren eigenen Reihen wieder vermehrt schätzen. Das Erbe der christlichen Kunst wurde von den Kirchen allzu oft vergessen und hat vielerorts nur dank der säkularen Kulturszene „überlebt“: in „säkularen“ Museen, Konzerten oder Buchreihen.31
 
b. Kunst-Skepsis der Kirche
Im ikonoklastischen Streit rang die orthodoxe Kirche um die Ikonen. Die Reformation bekämpfte die Bilder – und im Zeichen ihrer Konzentration auf das Wort zum Teil auch die Musik. Die Kirche des 17. Jahrhunderts verfemte die barocken Romane. Der ältere Pietismus verbot den Theaterbesuch und pflegte in den Gottesdiensten eine bewusst unkünstlerische Ästhetik.32 Die Kirche des 19. und 20. Jahrhunderts fand sich weitgehend mit der Auswanderung der Künste in den säkularen Raum ab. Es gab zwar Versuche eines Brückenschlags wie im katholischen „renouveau catholique“, das wohl weniger von der Kirche als von einzelnen Künstlern ausging (sog. „Kulturprotestantismus“, der theologisch nicht unproblematisch war33).
 
Scharfe Konflikte entstanden dort, wo Kunst das Anliegen der Kirche offensichtlich (oder scheinbar) schädigte. Kirchliche Vorwürfe an die Kunst waren: Verführung zum  Götzendienst, Ablenkung vom Wesentlichen, Konzentration auf ein menschliches Machwerk statt auf geistgeleitete Inspiration, unorthodoxe und häretische Gestaltung von Glaubensthemen… Dazu trat eine Skepsis gegenüber den Künstlern und ihrer Lebensführung. Um einige dieser Vorurteile zu nennen: In Künstlerkreisen wird ein allzu freizügiger Lebensstil gepflegt34. Der Künstler rückt seine Kunst ins Zentrum statt Gott. Er sucht unbescheiden seine eigene Ehre statt den Ruhm Gottes. Er stellt vor allem das Negative dar. Seine Kunst ist zu wenig „schön“. Individualismus und elitäres Bewusstsein führen zur Rebellion gegen die kirchliche Autorität und zum Ausscheiden aus der Gemeinschaft. Die geistige Unabhängigkeit des Künstlers weist häretische Tendenzen auf. Sein professionelles Gehabe verhindert die kreative Entfaltung der Gemeindeglieder. Sein Anspruch auf Entlöhnung widerspricht dem Prinzip der Freiwilligenarbeit.
 
c. Kirchen-Skepsis der Künstler
Umgekehrt wiederholen sich einige Vorwürfe der Künstler an die Kirchen seit Jahrhunderten. Die Stichworte dazu lauten: Bevormundung und Gängelung des Künstlers, Einengung seiner Kreativität durch kirchliches Diktat. Mangelnde Wertschätzung, ungenügende Bezahlung. Und der Gegepol dazu: Tendenz zum „Starkult“ in manchen Kirchen: Künstler werden nicht als „normale“ Gemeindeglieder behandelt, sondern hofiert, weil sie berühmt sind. Als solchermassen „hofierte“ Künstler werden sie in christlichen Kreisen „verheizt“. Unverständnis für den oft unbürgerlichen Lebensstil der Künstler. Unverständnis für Kunst und Ästhetik im allgemeinen. Pflege einer minderwertigen „Gemeindekunst“ und Verzicht auf die Beratung durch „Fachpersonen“.
 
d. Lösungsansätze
Heute gilt es, die konfliktreiche Seite des Verhältnisses von Kunst und Kirche ohne einseitige Schuldzuweisungen aufzuarbeiten. Es gibt noch allzu viele Vorurteile und Verletzungen auf beiden Seiten. Wie kann diese Aufarbeitung geschehen?
 
Lösungsansatz 1: Einsicht in die Stärken und Schwächen der anderen Seite
Ein erster Schritt würde dort gemacht, wo Kunst und Kirche den Charakter der jeweils anderen Seite entdecken. Um wenigstens stichwortartig einige Aspekte zu nennen: Einsicht auf der Künstler-Seite: Die Kirche hat die Kunst über Jahrhunderte gepflegt. Es besteht keine grundsätzliche Kunstskepsis in der Kirche. In der heutigen Kirche herrscht aber weitgehend ein Mangel an Kunst-Kenntnis. Es bedarf liebevoller Geduld, das Interesse für diesen „vergessenen Bereich“ zu wecken und die Gemeinde ästhetisch zu prägen. Es gibt viele andere Bereiche in einer Kirche, die der Pflege bedürfen. Umso mehr ist Langmut gefragt – und vielleicht auch die Mitarbeit der Künstler in einem dieser anderen Bereiche.
 
Einsicht auf der Kirchen-Seite: Künstler leiden unter einer minderwertigen Gemeindekunst. Sie sind Fachpersonen, die in ästhetischen Fragen beratend beigezogen werden sollten. Künstlerisches Schaffen ist ein oft unter Entbehrungen ausgeübter Beruf; die Entlöhnungsfrage ist deshalb ein wichtiges Thema. Zugleich ist das künstlerische Schaffen mehr als ein Beruf. Es ist eine intensiv gelebte – und manchmal durchlittene Existenzform. Ein Künstler bedarf kreativer Freiräume und immer wieder auch Zeiten des Rückzugs, was manchmal als individualistische Abschottung missverstanden wird. Der Künstler braucht das Zugeständnis eines innovativen Freiraums, in dem auch „Unorthodoxes“ entstehen darf. Die Gestaltung scheinbar weltlicher Themen ist noch keine Absage an den Glauben. In seinem Ringen ist der Künstler auf Verständnis und Ermutigung angewiesen. Das Angewiesen-Sein auf Lob ist noch keine stolze Abkehr von der „Soli Deo Gloria“-Haltung.35 Die Ausrichtung eines Künstlers auf die weltliche Kunstszene ist noch keine Absage an die Gemeinde; vielmehr findet er dort seine künstlerischen Qualitätsmassstäbe und ein Verständnis, das er in der Kirche oft vermisst. Künstler sind generell kreative Köpfe; warum sie nicht einladen, auch für andere Gemeindebereiche mitzdenken?
 
Lösungsansatz 2: Einsicht in die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit
Ein zweiter Schritt würde dort gemacht, wo Kunst und Kirche merken, dass sie eine segensreiche Allianz eingehen können. Denn auf der einen Seite brauchen Künstler die begleitende und betende christliche Gemeinschaft – sowohl innerhalb der Kirche wie auch in christlichen Künstler-Netzwerken36. Die Herausforderungen im Kunstmarkt (Konkurrenzdruck, finanzieller Überlebenskampf) und manche innerpsychischen, potenziell Stress verursachenden Faktoren wie Perfektionismus und Sensibilität können belastend sein. Dazu mag kommen, dass sich der christliche Kunstschaffende aufgrund seines Glaubens isoliert sieht, weil der Glauensbezug in seinem Schaffen auf Unverständnis stösst oder weil er sich gegenüber mondänen Tendenzen in der Künstlergemeinschaft abgrenzt.
 
Auf der anderen Seite braucht die Kirche das kritische und kreative Ferment der Künstler. Zudem weiss sie, dass sie ohne Kunstverständnis und Kunst-Pflege nach innen hin verarmt und nach aussen hin weniger „attraktiv“ ist. Sie erkennt, dass die Werke geistlicher Musik, Literatur, Malerei oder Architektur zu den unverzichtbaren geistlichen Schätzen unserer Kultur gehören, die – wie kaum eine andere Verkündigungsform – immer noch grosse Strahlkraft entfalten. Und schliesslich begrüsst sie, wenn christliche Künstler in der säkularen Kunstszene präsent sind und dort ein Stück „Reich Gottes“ bauen helfen. Vielleicht könnten in speziellen Begegnungsforen – in Verbindung mit theologischen Symposien – Künstler und Kirchenverteter aufeinander zugehen.
 
Lösungsansatz 3: Konkrete Zusammenarbeit
Ein dritter Schritt würde zur konkreten Zusammenarbeit führen: zum Einbezug von Künstlern in die Kirche37: in die Gottesdienste, in die Gestaltung der Kirchenräume, in die nach aussen gerichtete Arbeit38, in die Freizeitgestaltung39. Der Kontakt und die Zusammenarbeit mit den erwähnten Künstlernetzwerken und Künstlerinitiativen dürften nicht vernachlässigt werden, weil dort solche Fragen seit langem diskutiert und praktische Modelle erprobt werden. Finden Kunst und Kirche wieder zusammen, wird das Wort Gottfried Benns hoffentlich endlich widerlegt werden, dass „Glaube ein schlechtes Stilprinzip“ sei.
 
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„Christliche Kunst“ (Exkurs)
Was ist christliche Kunst? Der Begriff ist unscharf. Kunst lässt sich grundsätzlich auf drei Aspekte hin betrachten und befragen: nach ihrer Entstehung, nach ihrer Gestalt und nach ihrer Wirkung oder Aufgabe. Wie definiert man nun das „Christliche“ an einem Kunstwerk? Es wird schnell deutlich, dass eine Begriffsbestimmung, die sich nur auf einen dieser drei Aspekte bezieht, kaum befriedigt. Definiert man „christliche Kunst“ allein von ihrer Entstehung her? Dann muss gefragt werden: Wer bestimmt das „Christ“-Sein eines Künstlers? Lässt etwa das Zeugnis von einer „Inspiration“ beim Schaffen des Kunstwerkes schon Rückschlüsse zu?28 Und inwiefern kann man Dorothy Sayers beipflichten, wenn sie schreibt, christ-liche Kunst solle Ausdruck eines sehr persönlichen Erlebens sein? Denn „sonst überträgt sie uns nicht wirklich Kraft, (sondern) übt nur Macht auf uns aus.“ Diese Mahnung an die Adresse christlicher Künstler ist sicher wichtig; doch es gibt zweifellos auch grossartige und unmanipulative Werke mit christlicher Thematik, die nicht von Christen geschaffen wurden. Von Dorothy Sayers’ Satz her gedacht wäre auch eine Begriffs-bestimmung christlicher Kunst fragwürdig, die sich ausschliesslich auf die Gestalt bzw. die Thematik bezieht. Viele Kunstwerke, in denen der Glaube nicht explizit anklingt, sind trotzdem spürbar von ihm durchdrungen.
 
Lässt sich dann „christliche Kunst“ auf ihrer Wirkungsseite dingfest machen? Wohl kaum! Sonst müsste jedes Werk, durch das Gott uns „anspricht“, sogleich als „christlich“ gelten.29 So bieten sich andere Begriffsbestimmungen an wie „geistliche Kunst“ (allein auf die Thematik bezogen) oder „kirchliche“ bzw. „sakrale“ Kunst (allein auf die Funktion bezogen). Dass „kirchliche“ Kunst nicht unbedingt eine „christliche“ Thematik haben muss, ist eine weitere Einschränkung.30
 
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Anmerkungen
1 Man unterscheidet zwischen „ernster“ = E-Musik und „Unterhaltungs“ = U-Musik. Diese Unterscheidung und vor allem die strikte Trennung der beiden Bereiche ist nicht unproblematisch. Man denke nur etwa daran, dass ein Grossteil der heute gespielten E-Musik zur Entstehungszeit der Unterhaltung diente.
2 Als Design gilt die auf Gebrauchsgegenstände und Luxusgüter angewandte Kunst: von der Salatschüssel über das Parfüm-Flakon bis zum Ton-Design sanft ins Schloss fallender Autotüren.
3 Fashion = Modeschöpfung
4 Dies ist ein alter, auch auf die Kunst angewandter Begriffs-Dreiklang.
5 Überhaupt ist es für das Selbstverständnis des christlichen Glaubens bedeutsam, dass er in sinnlich erfahrbaren Geschehnissen und nicht in einem inneren religiösen Erleben oder einem „geglaubten Dogma“ verankert ist: Denn „das Wort wurde Fleisch“ und wurde „gehört“, mit „Augen gesehen, beschaut und mit Händen betastet“ s.1.Joh.1,1ff. Es gibt somit keine guten theologischen Gründe für eine Polarisierung zwischen „Sinnlichem“ und „Glauben“.
6 Emil Brunner. Christentum und Kultur, Zürich 1979, S. 268.
7 Den Begriff der „zwei Reiche“ gebraucht Luther. Schon Jesus hat eine klare Grenze gezogen zwischen seinem Reich und dem, was „des Kaisers ist“. Dies widerspricht nicht dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und es als „Sauerteig“ in die Welt – auch in die Kulturwelt – zu mengen.
8 Zwar ist unbestritten, dass Kunst prophetische Züge annehmen kann. Doch gemeint ist hier ein weit verbreitetes Künstlerbild. Es zeigt sich etwa dort, wo Künstler von den Medien wie „Propheten“ befragt werden und fast universell gültige Antworten geben müssen.
9 Säkular heisst nicht widergöttlich. Der säkulare Raum kann tief durchdrungen sein vom Wissen um Gottes Ordnungen.
10 Dies lässt sich dort zeigen, wo Diktaturen sich das Kunstschaffen gefügig machen wollen. Für die Kulturpolitik im Dritten Reich oder im Stalinismus galt hingegen sogar ungegenständliche Kunst oder moderne Musik als subversiv.
11 Der christliche – wie der jüdische – Glaube versteht im heilsgeschichtlichen Horizont die Geschichte nicht als statisch oder wie östliches Denken als zyklisch, sondern als Bewegung und Wandel – allerdings nicht im Sinn eines humanistischen Fortschrittsglaubens. Zur Geschichte gehören kulturelle Veränderungen. Es ist die Aufgabe des Menschen, Geschichte und Kultur zu gestalten. Man kann somit von einem christlich begründeten Kulturauftrag der Kunstschaffenden sprechen.
12 Rezipient nennt man in der Kommunikationstheorie den Empfänger einer Botschaft. Auf die Kunst bezogen, bezeichnet der Begriff den Zuhörer, Zuschauer oder Leser.
13 „Aut prodesse volunt aut delectare poetae“, dichtet Horaz in seiner Poetik. „Die Dichter wollen entweder etwas Nützliches schaffen oder erfreuen.“
14 So Udo Rauchfleisch in seinem Buch „Musik schöpfen – Musik hören. Ein  psychologischer Zugang. Göttingen 1996“
15 Heinz Hillmnn. Alltagsphantasie und dichterische Phantasie. Versuch einer Produktionsästhetik. Kronberg 1977.
16 s. den prophetischen Text in Jesaja 52, 2b und 13f.: „da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte…“.
17 Das mehrbändige, der Ästhetik gewidmete Werk des grossen katholischen Theologen Hans Urs von Balthasar heisst denn auch „Herrlichkeit“.
18 Es gibt dazu genaue theologische Studien, z.B. vom Alttestamentler Claus Westermann.
19 Das Wort stammt vom Pferdedresseur Fredy Knie.
20 Im adiaphoristischen Streit debattierten Lutheraner und Calvinisten über weltliche Vergnügungen wie Tanz, Mode oder Musik. Die Lutheraner hielten diese Dinge für harmlose Adiaphora (ethisch neutrale „Mitteldinge“), während die Calvinisten sie für Sünde hielten, was den englisch-amerikanischen Puritanismus prägte. In diesem Sinne haben damals auch Hamburger Pietisten aus Anlass eines Theaterbaus entschieden, dass Theaterbesuch sowie Tanz, Tabakgenuss und ähnliche weltliche Vergnügen an sich und nicht erst durch ihren
Missbrauch sündig seien. Diese Sicht wirkt im Pietismus bis in die Gegenwart weiter.
21 s. Umberto Ecos wichtigen Begriff des „offenen Kunstwerks“.
22 "Es ist nachweislich klar, statistisch klar, der grösste Teil der Kunst des vergangenen Halbjahrtausends ist Steigerungskunst von Psychopathen, von Alkoholikern, Abnormen, Degenerierten, Henkelohren, Hustern: das war ihr Leben, und in der Westminsterabtei und im
Pantheon stehen ihre Büsten und über beidem stehen ihre Werke: makellos, ewig, Blüte und Schimmer der Welt." (der Schriftsteller Gottfried Benn). Der Schweizer Germanist Walter Muschg schrieb seine viel beachtete „tragische Literaturgeschichte“ unter diesem Leitgedanken.
23 Im Zug des künstlerischen Autonomiewillens (auch unter dem Einfluss der modernen, von Kant initiierten Erkenntnistheorie und später der Psychoanalyse) sind in den Künsten stark individualistische, sich dem allgemeinen Verständnis verweigernde Tendenzen zu beobachten, z.B. in der Lyrik des ausgehenden 19. Jahrhunderts oder in den Bildern des Surrealismus. Kunst darf zweifellos lustvoll eigene, von der äusseren Wirklichkeit sich abkoppelnde künstliche „Welten“ schaffen. Trotzdem muss sie sich fragen lassen, was
der Preis dafür ist.
24 In einem Interview im SPIEGEL vom 9.2.2009.
25 Das hebräische Wort für „gut“ („und Gott sah, dass es gut war“ in der Schöpfungsgeschichte) bedeutet auch: „schön“. Gott schafft für seine Kreatur aus Liebe einen guten und schönen Lebensraum.
26 „Jedes nach seiner Art“ ist das Schöpfungsprinzip Gottes.
27 Werke hingegen, die wie Andy Warhols Bilder völlig serienmässig verfahren und das Individuelle dem Allgemeinen unterordnen, sind kaum grosse Kunst.
28 Die Psychologie untersucht das Phänomen „Inspiration“ zum Beispiel ganz immanent und stellt fest, dass auch unreligiöse Künstler gewaltige Inspirations-Erfahrungen haben können.
29 Es gibt viele Berichte von Menschen, die dies erfahren haben: Gott spricht sie durch ein nicht-christliches Kunstwerk an.
30 Trotzdem ist der Ausdruck „christliche Kunst“ als Hilfsbegriff eingeschränkt brauchbar und nicht immer zu vermeiden.
31 Beispiele dafür gäb es genügend. Heute erleben wir etwa in der säkularen Kulturszene einen veritablen „Bach-Boom“. Bachs Werke werden allerdings meist als „pure Musik“ behandelt. Man sieht von der Textbedeutung weitgehend ab, was schon aus künstlerischer Sicht höchst fragwürdig ist – eine Frucht der Unverbundenheit von Kirche und Kultur.
32 Diese Kämpfe wurden von interessanten theologischen Debatten begleitet, die auch heute noch nachwirken.
33 Im Blick auf den Kulturprotestantismus Friedrich Schleiermachers hält der Theologe Hans-Eckehard Bahr fest (in: Poiesis. Theologische Untersuchung der Kunst): Es ist eine "zunächst zutreffende Beobachtung …, dass nicht nur der Glaube, sondern auch die ästhetische Ergriffenheit ein Modus ganzheitlichen Betroffenseins darstellt. Geht man nur vom subjektiven Erlebnis aus, so verführt diese Formanalyse zu verheerenden inhaltlichen Gleichsetzungen. Es ist klar: Wenn der Ausgangspunkt unserer Analyse allein das erlebende Subjekt ist, wird der Glaube auf Religionspsychologie und der künstlerische Fragenkreis auf Erlebnisästhetik reduziert."
34 In der Tat ist nicht von der Hand zu weisen, dass in Künstlerkreisen schon früh mit bürgerlichen (und christlichen) Moralvorstellungen gebrochen wurde und dass ein libertinärer Lebensstil weitgehend zum „guten Ton“ gehört. Die in diesem und im nächsten Abschnitt genannten Vorwürfe sind denn auch zum Teil berechtigt. Problematisch ist ihre Verallgemeinerung und Verfestigung zu Feindbildern.
35 Mit diesen Worten „Gott allein die Ehre“ unterzeichnete Johann Sebastian Bach seine geistlichen wie Seine weltlichen Werke!
36 Diese Netzwerke und übergemeindlichen Künstlerbewegungen erfüllen wichtige Aufgaben in der geistlichen und fachlichen Begleitung der Künstler, in der Seelsorge und Mission unter Kunstschaffenden, im Entwickeln gemeinsamer „verkündigender“ Kunst-Projekte usw. Es gibt in verschiedenen Ländern und auf internationaler Ebene bereits viele interessante Initiativen. Sie miteinander zu vernetzen ist eine der Aufgaben von Arts+ (www.artsplus.ch).
37 Dies kann wohl nur durch strukturelle Massnahmen geschehen, zum Beispiel durch die Einsetzung eines Gemeinde-Arbeitsbereichs „Kunst“, der von professionellen Künstlern oder profunden Kunstkennern geleitet wird.
38 Es gibt z.B. interessante Erfahrungen von kirchlichkünstlerischen Einsätzen in Spitälern oder in Gefängnissen.
39 Der „offene Abend Stuttgart“ mietete z.B. an einem Abend für die ganze Gemeinde ein Opernhaus.
 
Stellungnahme von Arts+, Arbeitsgemeinschaft für “Kunst und Kultur” der SCHWEIZERISCHE EVANGELISCHE ALLIANZ (SEA). Verabschiedet vom Zentralvorstand der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA-DS)
im März 2009
 
Redaktion: Hanspeter Schmutz, Thomas Hanimann
 
SEA Dokumentation, Stellungnahme nr. 94